Katreativ Schrieb:
Das kommt mir aber bekannt vor. Ich melde mich selten bei Freunden, aber meine Freunde sich auch selten bei mir. Einfach aus dem Grund, weil ich dann wirklich etwas zu sagen haben möchte, "Smalltalk" ist nichts für mich. Nur wenn ich Neuigkeiten habe oder mir etwas wichtig ist und ich mich unbedingt mit jemanden austauschen möchte, melde ich mich.
Aber derzeit akzeptiere ich es einfach. Es ist weitaus schlimmer sich versuchen anderen anzupassen, wenn es einfach nicht passt. Freunde, die dich und diesen Charakterzug bei einem verstehen, bleiben auch.
In der Schule war ich immer genauso, still, introvertiert und ich habe mich kaum gemeldet, weil ich nichts Falsches sagen wollte, weil man sich eh schon über mich lustig gemacht hat. Jetzt in der Berufsschule bin ich trotzdem irgendwie gut geworden und irgendwie wenden sich meine Klassenkameraden plötzlich an mich, wenn sie mitunter Fragen haben.
Bei mir hat es sich irgendwie mit meiner Ausbildung verändert. Vorher in der Schulzeit hatte ich kaum Freunde. Meine Freunde haben nicht verstanden, dass ich es gehasst habe als langsamstes Mädchen fangen zu spielen und niemanden fangen zu können - das war langweilig. Freunde haben es nicht verstanden, dass ich mich nicht richtig entschuldigen konnte, wenn ich wortlos weggegangen bin, weil es mir zu viel wurde und ich mich nicht streiten wollte und mich daher lieber zurückgezogen habe. Sie haben es nie verstanden, dass ich oft meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurückgestellt habe um nicht alleine zu sein.
Dann habe ich eine Ausbildung gesucht und ich bin weiter zurückgezogen, weil ich nichts gefunden habe. Ich hatte das Gefühl in einem gewissen Sinne "zurückgeblieben" zu sein, weil niemand mir eine Chance geben wollte. Jetzt bei der Ausbildung fühle ich mich eigentlich relativ wohl, vor allem da ich mich nicht allzu dumm anstelle.
Allgemein bin ich in diesem einen Jahr dort jetzt offener und einigen Kollegen auch etwas "frecher" geworden, was früher absolut nicht denkbar gewesen wäre. In manchen Dingen muss ich mich immer noch überwinden (ich hasse es zu telefonieren und habe Sorge mich extrem dumm anzustellen, wenn eine Mitarbeiterin mich anlernt), aber es fällt mir deutlich leichter und ich gehe an manche Dinge zuversichtlicher heran. Ich denke, weil man mir eben eine Chance gegeben hat und ich mir auch selbst dadurch eine Chance gegeben habe. Am Anfang wusste ich auf der Arbeit oft nicht wohin mit mir, im letzten Jahr habe ich mit Sorge auf dieses Jahr geblickt, wo ich auch nur einen neuen Azubi "anlernen" muss. Ich habe mich danach gerichtet, was andere wollten, am Anfang noch sehr auf "Befehle" geachtet, kaum nachgefragt und mich auch an meine mit-Auszubildende gerichtet. Dann hat sie oft gefehlt und ich musste lernen alleine klarzukommen, ohne dass man mir meine Aufgaben diktiert. Jetzt muss ich sogar zwei Azubis anlernen, da meine mit-Auszubildende immer noch fehlt und ich denke, dass ich mich besser anstelle, als ich vorher dachte.
Ich habe wohl gelernt, mich zu überwinden, manche Schwächen zu akzeptieren, die sich absolut nicht ändern lassen und trotzdem Dinge zu tun, die ich im Nachhinein nicht bereue. Ich habe es getan, weil mich die Umstände wohl auch dazu gezwungen haben.
Aber es gibt in genug Bereichen noch Ausbaubedarf. Vor allem was Freunde und allem voran ein "Liebesleben" betrifft.