Stell dir vor, dass von dem einem auf den anderen Moment mehrere Menschen in deiner unmittelbaren Umgebung zu kollabieren beginnen. Würgend und mit Blut aus Augen, Nase und Mund strömend gehen deine Liebsten, Kollegen oder Mitschüler hilflos zu Boden, bis sie schließlich tot sind. Nachdem der erste Schock dieser dramatischen Szene einigermaßen überwunden ist, fällt dir und den anderen Hinterbliebenen jedoch etwas Seltsames auf. Bei den gerade Verstorbenen handelt es sich ausschließlich um Individuen des biologisch konträren Geschlechts. Kurz darauf ereilen euch von allen Seiten Schilderungen identischer Vorfälle. So bestätigt sich, was du und deine Gruppe vielleicht schon geahnt habt. Das, was ihr gerade erlebt habt, war kein Einzelfall, sondern Teil einer globalen Erscheinung. Binnen von wenigen Minuten und ohne Vorwarnung wurde auf der Erde ein komplettes Geschlecht ausgelöscht. In den folgenden Stunden, Tagen und Wochen brechen aufgrund der fehlenden Fachkräfte sämtliche Strukturen des Öffentlichen Raumes zusammen. Darunter fällt u.a. die Bereitstellung von Elektrizität und die medizinische Versorgung, die du und deine Mitmenschen stets für selbstverständlich gehalten habt. Doch weitaus furchteinflößender ist die existenzielle Krise, in der sich die Menschen um dich herum befinden. Denn wenn es keine Möglichkeit mehr gibt, sich fortzupflanzen, die Menschheit also dem Ende geweiht ist, welchen Wert haben dann noch jene Gesetzte und moralischen Richtlinien, die uns einst ein funktionelles Zusammenleben ermöglicht haben?
Genau dieses apokalyptische Szenario spielt sich zu Beginn der dystopischen Comicbuchreihe Y: The Last Man ab. Hier bricht an einem gewöhnlichen Sommertag im Jahr 2002 eine verheerende Seuche aus, die alle Träger des Y-Chromosoms, sprich alle biologisch männlichen Homo sapiens sowie alle weiteren männlichen Säugetiere, kurzerhand ausschaltet… Das heißt alle bis auf Yorick Brown und sein Kapuzineräffchen, Ampersand. Yorick, der vermeintlich letzte Mann auf Erden, ist ein schussliger Mittzwanziger, der sich sein Leben durch Auftritte als Hobby-Magier finanziert und auch in seiner Freizeit gerne in Fußfesseln kopfüber von der Decke hängt, während er zeitgleich versucht sich aus einer Zwangsjacke zu befreien, die er sich selbst angelegt hat. Dass er irgendwann die letzte Hoffnung für das Fortbestehen der Menschheit sein wird, stand ihm ganz und gar nicht im Sinn. Nichtsdestotrotz begibt sich Yorick, begleitet von Agent 355, einer Geheimagentin der US-amerikanischen Regierung, und Dr. Mann, einer renommierten Genetikerin, deren Spezialgebiet das Klonen ist, auf die Suche nach Antworten und somit einer Möglichkeit, das Aussterben der menschlichen Spezies zu verhindern. Dabei stellen sich ihnen jedoch allerlei Hindernisse in den Weg. So z.B. eine militante Gruppierung Männer-hassender Frauen, die sich „Töchter der Amazonen“ nennt. Diese identifizieren sich, genau wie ihre Namensgeberinnen aus der griechischen Mythologie, durch die Amputation der rechten Brust, die ihnen einen besseren Umgang mit Waffen ermöglicht. Ihre Mission? Samenbanken niederzubrennen, Transmänner zu bekehren und Yorick zu eliminieren.
Wie wir wissen zieren Superheldenfilme schon längst weltweit die Kinoleinwände, doch auch andere Comicgenres gewinnen zunehmen an Bedeutung in der Film- und Fernsehindustrie. Neben The Walking Dead, Preacher oder aber Riverdale, die schon seit ein paar Jahren zu den Lieblingsserien vieler zählen, wird nun auch Y: The Last Man fürs Fernsehen verfilmt. Nächstes Jahr soll die Serie ihre Premiere feiern, wobei der irische Schauspieler Barry Keoghan, den man u.a. aus Filmen wie Dunkirk kennt, in der Hauptrolle als Yorick zu sehen sein wird. Grund genug für mich, euch die raffinierte Comicvorlage hiermit schon mal kurz vorgestellt zu haben.
